{"id":75,"date":"2016-10-11T21:51:41","date_gmt":"2016-10-11T19:51:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tarotpsychologie.de\/?p=75"},"modified":"2025-12-27T22:14:59","modified_gmt":"2025-12-27T21:14:59","slug":"5-grundlagen-gepriesen-seien-die-zufaelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/?p=75","title":{"rendered":"5. Psychologie im Tarot: Gepriesen seien die Zuf\u00e4lle!"},"content":{"rendered":"<p>Der Umgang mit dem Zufall ist sozusagen eines der konstituierenden Merkmale des Tarot. Wir ziehen eine oder mehrere Karten verdeckt aus einem gut gemischten Stapel von 78 verschiedenen Karten. Nach allem, was wir rational wissen: Zufall. Reiner Zufall. Und doch &#8211; da ist doch mehr dran?<\/p>\n<p>&#8222;Es gibt keine Zuf\u00e4lle&#8220; ist ein Spruch, den man in esoterischen (aber auch in psychologischen) Kreisen oft h\u00f6rt. Will sagen, das was uns passiert, das hat auch eine Bedeutung f\u00fcr uns. Nichts ist ein &#8222;l\u00e4ppischer Zufall&#8220;, den wir einfach abtun k\u00f6nnten. Nein, wenn wir genau hinsehen, dann hat alles, was uns begegnet erst einmal das Recht, von uns ernst genommen zu werden, mehr noch, es hat sehr wahrscheinlich unmittelbar mit uns selbst zu tun.<\/p>\n<p>Das sind zwei ganz unterschiedliche Begriffe von Zufall, oder? Der erste &#8211; eher naturwissenschaftliche Begriff &#8211; sieht auf die Art der Entstehung eines Ereignisses. Und da haben wir zum Beispiel beim Ziehen einer einzelnen Tarot-Karte ziemlich genau die Wahrscheinlichkeit von 1:78, eine ganz bestimmte Karte zu ziehen. Mit etwas Geduld und wenn wir sorgf\u00e4ltig mischen, werden wir das in einem &#8222;Experiment&#8220; auch empirisch nachvollziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite steht aber <strong>ein ganz anderer Begriff vom Zufall: N\u00e4mlich der, was der Zufall denn psychologisch f\u00fcr uns bedeuten mag<\/strong>. Fr\u00fche Tarot-Autoren haben sich oft verzweifelt am naturwissenschaftlichen Begriff des Zufalls abgem\u00fcht, um die Wirksamkeit des Tarots zu beschreiben. Etwas wie &#8222;Magie&#8220; w\u00e4re m\u00f6glicherweise im Spiel oder C. G. Jungs Synchronizit\u00e4t (die daf\u00fcr sorgt, dass akausale Ereignisse zusammen h\u00e4ngen), das uns alle verbindende Chi vielleicht auch. All das will ich nicht abstreiten, m\u00f6glich ist alles M\u00f6gliche, sozusagen.<\/p>\n<p>Dabei <strong>darf die Karte doch gerne &#8222;rein zuf\u00e4llig&#8220; sein<\/strong>. Sie kann dennoch eine unmittelbare Bedeutung f\u00fcr mich aufweisen: Ich muss nur zulassen &#8211; und da sind wir wieder zur\u00fcck beim Thema Psychologie &#8211; dass auch ein zuf\u00e4lliges Ereignis f\u00fcr mein Leben relevant sein darf. Und \u00fcberhaupt: <strong>Welche Ereignisse in unserem Leben tragen denn nicht ein gutes St\u00fcck Zufall in sich, gerade wenn es um bedeutsame Wendepunkte in der Biografie geht!?<\/strong><\/p>\n<p>Erinnern Sie sich noch, wie Sie Ihre\/n Lebenspartner\/in kennen gelernt haben? Sofern Sie dazu nicht die Unterst\u00fctzung einer professionellen Agentur in Anspruch genommen haben, war mit Sicherheit ein guter Anteil Zufall mit im Spiel. Und die Auswirkungen auf Ihr Leben? Ziemlich umfangreich, stimmt&#8217;s? Oder nehmen Sie schwere Schicksalsschl\u00e4ge: Todesf\u00e4lle im engeren Familienkreis, Krankheit, Unf\u00e4lle &#8211; \u00fcberall werden wir eine ganze Menge an Zuf\u00e4lligem entdecken. Und wer w\u00fcrde leugnen, dass solche Ereignisse einen Einfluss auf uns haben, uns pr\u00e4gen und ver\u00e4ndern?<\/p>\n<p>Gehen wir einen kleinen Schritt weiter. Der Zufall ist \u00fcberall, hat Einfluss auf unser Leben, auf das was aus uns geworden ist. Und es gab immer so etwas wie eine Interaktion zwischen uns selbst und dem, was uns das zuf\u00e4llige Schicksal pr\u00e4sentiert hat. Wir haben darauf reagiert (es zumindest versucht), und zwar auf unsere ganz pers\u00f6nliche Art und Weise. <strong>Und nun haben wir mit dem Tarot einen Mikrokosmos an Zuf\u00e4llen<\/strong>, auf die wir ebenfalls reagieren: Indem wir spontane Assoziationen entwickeln, Ideen haben, Gef\u00fchle, uns in den Bildern spiegeln. Auch das tun wir auf unsere ganz individuelle, einmalige Art und Weise.<\/p>\n<p>Alles was dabei zu tun ist, ist <strong>zuzulassen, dass uns diese zuf\u00e4llig gezogenen Karten etwas zu sagen haben. Nicht mehr und nicht weniger als jeder andere Zufall, der in unser Leben tritt.<\/strong> Und im Gegensatz zu den meisten anderen Zuf\u00e4llen des Lebens haben wir beim Tarot doch ganz aktiv danach gefragt, indem wir eine oder mehrere Karten gezogen haben. <strong>Wir haben uns bewusst auf ein &#8222;blind date&#8220; mit dem Zufall eingelassen!<\/strong><\/p>\n<p>Und das Ergebnis wird aus eben diesen Gr\u00fcnden sehr viel mit uns selbst zu tun haben:<\/p>\n<ol>\n<li>Wir haben aktiv eine Frage &#8222;in den Raum&#8220; gestellt. Das ist unsere ganz pers\u00f6nliche Frage!<\/li>\n<li>Wir reagieren ganz individuell auf die Bilder und Bedeutungsebenen der Tarot-Karten.<\/li>\n<\/ol>\n<p>W\u00e4re es nicht trotzdem sch\u00f6ner, wenn so eine Art &#8222;Magie&#8220; hinter dem Ziehen der Karten steckt? Na klar! Vielleicht steckt da auch noch zus\u00e4tzlich eine Magie dahinter und viele Menschen, die sich regelm\u00e4\u00dfig Tarot-Karten legen berichten von ganz eigenartigen, &#8222;\u00fcber-zuf\u00e4lligen&#8220; Ereignissen wie Karten, die immer wieder auftauchen. Aber selbst wenn es solche &#8222;magischen&#8220; Ereignisse nicht gibt, wird das Legen von Tarot-Karten f\u00fcr uns funktionieren: <strong>Letztlich ist die Unterscheidung zwischen &#8222;Zufall&#8220; und &#8222;Schicksal&#8220; nur eine die im Kopf und nicht in der Realit\u00e4t stattfindet.<\/strong><\/p>\n<p>Das war jetzt ein arg trockener Beitrag, oder?<\/p>\n<p>Im Prinzip geht es mir darum zu zeigen, dass Zuf\u00e4lle ganz allgegenw\u00e4rtig unser Leben bestimmen und wir mit dem Tarot den <strong>Zufall in sehr kontrollierter Form nutzen k\u00f6nnen, um bislang vielleicht unbeackerte Felder unserer Psyche zu betreten<\/strong>. Wir behalten dabei alle Freiheiten, Dinge anzunehmen oder abzulehnen, nehmen aber ganz bewusst einen \u00dcberraschungseffekt in Kauf: Geh\u00f6rt das was ich da sehe tats\u00e4chlich zu mir? Hatte ich vielleicht gar nicht so erwartet! Wir m\u00fcssen also entscheiden, was davon unser Inneres spiegelt und\u00a0was vielleicht eher der Au\u00dfenwelt entspricht und womit wir vielleicht gar nichts anfangen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Noch nicht ganz \u00fcberzeugt? Ich bin auch noch nicht ganz fertig&#8230;<\/p>\n<p>Der Zufall beim Ziehen einer Tarotkarte unterscheidet sich also nicht prinzipiell von vielen anderen Zuf\u00e4llen, selbst wenn diese\u00a0unser Leben gravierend beeinflussen.\u00a0<strong>Wichtiger als die Frage, ob ein Ereignis zuf\u00e4llig entstanden ist, ist die Frage, ob wir es als f\u00fcr uns bedeutsam akzeptieren und entsprechend darauf reagieren k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n<p>Trotzdem k\u00f6nnten wir doch an Stelle einer zuf\u00e4lligen Auswahl uns ganz bewusst eine Karte aussuchen, um mit ihr zu arbeiten. Das w\u00e4re doch viel genauer auf unsere Bed\u00fcrfnisse zugeschnitten!? Es gibt doch bestimmt f\u00fcr mich als Person in einer bestimmten Fragestellung &#8222;passendere&#8220; und &#8222;weniger passende&#8220; Karten. Warum sollte ich die Auswahl dann dem Zufall \u00fcberlassen?<\/p>\n<p>Der Grund liegt in einem psychologischen Mechanismus, der besonders in der Tiefenpsychologie eine entscheidende Rolle spielt: <strong>Widerstand<\/strong>. Widerstand ist unser Schutzmechanismus gegen verdr\u00e4ngte und uns unangenehme Inhalte. Wenn es also bei einer Fragestellung einen &#8222;blinden Fleck&#8220; (verdr\u00e4ngte Themen) gibt, dann werden wir unbewusst daf\u00fcr sorgen, dass diese <strong>verdr\u00e4ngten Themen ganz bestimmt nicht zum Vorschein<\/strong> kommen. Bei einer von uns selbst getroffenen Auswahl einer Karte werden wir wom\u00f6glich gerade nicht diejenige w\u00e4hlen, die solche verdr\u00e4ngten Themen offen legt (die aber gerade dadurch wahrscheinlich f\u00fcr die L\u00f6sung der Frage wichtig ist), sondern eine m\u00f6glichst &#8222;harmlose&#8220; Karte, die uns hoffentlich weiter unsere gewohnten Bahnen gehen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Auch bei einer zuf\u00e4lligen Wahl k\u00f6nnen wir nat\u00fcrlich an eine &#8222;harmlose&#8220; Karte geraten, wir haben aber wenigstens die Chance, dass Dinge auf den Tisch kommen die wir sonst vermieden h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Und noch einen weiteren Grund gibt es f\u00fcr eine zuf\u00e4llige Auswahl: Wir neigen dazu, einem &#8222;Zufall&#8220; (der vielleicht sogar &#8222;Schicksal&#8220; ist) <strong>mehr Kompetenz bei ungel\u00f6sten Fragestellungen zuzuschreiben als uns selbst<\/strong>. Schlie\u00dflich haben wir es bis jetzt ja auch nicht verstanden, die Fragestellung zu l\u00f6sen &#8211; sonst m\u00fcssten wir nicht als ultima ratio die Tarotkarten befragen. Wenn wir &#8211; wie im ersten Beitrag erw\u00e4hnt &#8211; <strong>das Vertrauen aufbringen, dass dieser (vermeintliche oder echte) Zufallsprozess des Karten-Ziehens uns tats\u00e4chlich etwas mitzuteilen hat, dann werden wir auch den gr\u00f6\u00dften Gewinn daraus ziehen<\/strong>.<\/p>\n<p>Zuletzt: Es ist oft sehr hilfreich, ganz einfach und banal &#8222;\u00fcberrascht&#8220; zu werden: Eine v\u00f6llig unerwartete (weil &#8222;zuf\u00e4llige&#8220;) Karte kann uns sehr heilsam <strong>aus dem Konzept bringen, aus der ersten Verwirrung k\u00f6nnen ganz neue Interpretationen unserer Situation<\/strong> und von uns Selbst entstehen.<\/p>\n<p><em>Alle Texte sind urheberrechtlich gesch\u00fctzt. Verbreitung (auch auszugsweise) nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.<\/em><\/p>\n<pre><em>Alle Abbildungen: Mit freundlicher Genehmigung des K\u00f6nigsfurt-Urania Verlages, Krummwisch, <\/em><em>\u00a9 K\u00f6nigsfurt-Urania Verlag, Krummwisch \/ Deutschland. <a href=\"http:\/\/www.koenigsfurt-urania.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.koenigsfurt-urania.com<\/a><\/em><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Umgang mit dem Zufall ist sozusagen eines der konstituierenden Merkmale des Tarot. Wir ziehen eine oder mehrere Karten verdeckt aus einem gut gemischten Stapel von 78 verschiedenen Karten. Nach allem, was wir rational wissen: Zufall. Reiner Zufall. Und doch &#8211; da ist doch mehr dran? &#8222;Es gibt keine Zuf\u00e4lle&#8220; ist ein Spruch, den man &hellip; <a href=\"https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/?p=75\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">5. 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