{"id":63,"date":"2016-10-10T21:11:58","date_gmt":"2016-10-10T19:11:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tarotpsychologie.de\/?p=63"},"modified":"2018-01-27T21:59:57","modified_gmt":"2018-01-27T20:59:57","slug":"4-grundlagen-wo-befinden-wir-uns-im-tarot-psychologisch-gesehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/?p=63","title":{"rendered":"4. Psychologie im Tarot: Wo befinden wir uns im Tarot, psychologisch gesehen?"},"content":{"rendered":"<p>Dieser und der folgende Beitrag behandeln die Grundlagen dessen, was ich unter &#8222;psychologischem Umgang&#8220; mit dem Tarot verstehe.<\/p>\n<p>Die beiden Grundlagen-Themen sind einmal die Art und Weise, aus welcher psychologischen Perspektive wir die Karten und die dort gezeigten Szenen betrachten. Das zweite Thema (im n\u00e4chsten Beitrag behandelt) kreist um\u00a0unser Verst\u00e4ndnis dessen, was wir &#8222;Zufall&#8220; nennen\u00a0und die Frage, ob wir uns damit ein Problem einhandeln oder nicht.<\/p>\n<p>Neben vielen anderen Zugangsm\u00f6glichkeiten und Dimensionen wie Kaballa, Astrologie, Numerologie, \u00fcberlieferte Bedeutungen usw. (ob diese nun den Karten inh\u00e4rent sind oder zu sp\u00e4teren Zeiten clever dazu komponiert wurden sei egal) haben wir es beim Tarot stets und zuallererst mit Bildern zu tun. (&#8222;Ach was!&#8220;) Im Falle des Waite-Smith und praktisch aller anderen modernen Tarots haben wir 78 szenische Bilder zur Verf\u00fcgung. Liebhaber des Tarot de Marseille mussten sich bei den kleinen Arkanen immer schon mit Numerologie (Zahlenmystik) in purer Form herumschlagen. F\u00fcr die folgende Vertiefung w\u00e4hle ich das Waite-Smith Tarot aufgrund seiner besonders reichhaltigen und &#8222;lebensnahen&#8220; Symbolik. Bei jedem dieser Bilder k\u00f6nnen wir mindestens zwei Perspektiven einnehmen:<\/p>\n<ol>\n<li>Diese Karte zeigt etwas, das au\u00dferhalb von mir passiert (und selbstverst\u00e4ndlich Auswirkungen auf mich hat).<\/li>\n<li>Diese Karte zeigt etwas innerhalb\u00a0von mir. Das ist besonders dann eine sehr spannende Perspektive, wenn es mehr als zwei Akteure auf der Karte gibt, etwa bei der Kraft. Dann ist ein Teil von mir (die Frau) dabei, einen anderen &#8211;\u00a0wilderen! &#8211; Teil (den L\u00f6wen) zu z\u00e4hmen.<\/li>\n<li>Mischformen, sobald mehr als ein &#8222;Akteur&#8220; auf der Karte erkennbar ist. Das gilt auch bei Karten wie den &#8222;3 Schwertern&#8220;: Hier kann ich selbst das Herz sein, das durchbohrt wird, ich kann aber auch derjenige sein, der mit Hilfe der drei Schwerter das Herz (eines anderen Menschen) durchbohrt. Vielleicht bin ich &#8211; bzw. ein wichtiger innerpsychischer Teil von mir &#8211; aber auch die Schwerter selbst?<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Grundfrage ist immer: <strong>Was auf dieser Karte bin ich selbst, was geh\u00f6rt zu mir, ist ein Teil von mir? Wo ist mein innerer kleiner Hund, der mich instinktiv warnt, wenn ich mich wie der Narr gef\u00e4hrlichen Klippen n\u00e4here?<\/strong> (Die Gefahr der Klippe in unmittelbarer N\u00e4he des Narren ist \u00fcbrigens eine der vielen genialen Neuerungen des Waite-Smith-Decks.) Was in mir sind die Abgr\u00fcnde und die Klippen? Ist das ein stabiles Bild, tanze ich zwischen den Abgr\u00fcnden im sicheren Wissen, dass mich meine Schutzmechanismen &#8211; der kleine wei\u00dfe Hund &#8211; vor dem Absturz bewahren werden? Oder ist das eine Karte des dynamischen \u00dcbergangs, die nur einen Augenblick vor dem Verh\u00e4ngnis &#8222;fotografiert&#8220; wurde? Und wenn sogar die Abgr\u00fcnde zu mir selbst geh\u00f6ren sollten: Vielleicht w\u00e4re es zwar n\u00e4rrisch, aber im Ende\u00a0gar nicht so falsch, mich in sie fallen zu lassen? Vielleicht sind das verdr\u00e4ngte Themen aus Kinderzeiten, in die man jetzt, als erwachsener Mensch ohne Angst (und das ist die frappierendste Eigenschaft des Narren: er hat ganz offensichtlich keinerlei Angst!) hineinstolpern darf?<\/p>\n<p>Wir sehen, mit nur einer einzigen unschuldigen Frage, &#8222;Was auf dieser Karte bin ich selbst?&#8220; bewegt man sich sofort meilenweit weg von wahrsagerischen Deutungen\u00a0und hin zu sehr intimen, ganz \u00a0pers\u00f6nlichen Themen. Zu einer psychologischen Perspektive. Und es liegt ganz und gar an mir, wie weit ich dabei gehen m\u00f6chte, wie viel von dieser Karte ich &#8222;verdauen&#8220; kann oder bereit bin als einen Spiegel meiner Seele zuzulassen.<\/p>\n<p>Das ist \u00fcbrigens auch der Grund, warum ich es f\u00fcr keine besonders gute Idee halte, sich die Karten von jemand anderem legen (und deuten!) zu lassen: Oft kommt da nichts anderes heraus als Zusammenschustern einer Erkl\u00e4rung &#8222;nach Kochrezept&#8220;, die in Wahrheit nur ich mir selbst geben kann.<\/p>\n<p>Trotzdem wird mir manchmal eine solche &#8222;Botschaft&#8220; der Karten fremd bleiben und ich kann dann nichts \u00fcber diese m\u00f6glichen Ingredienzien meiner Seele lernen. Vielleicht liegt das dann daran, dass tats\u00e4chlich mehr Fremdes als Vertrautes auf der Karte zu sehen ist. Vielleicht ist aber auch nur mehr Unbewusstes als Bewusstes auf der Karte und ich kann &#8211; aus guten Gr\u00fcnden des Selbstschutzes &#8211; das alles noch nicht als integralen Bestandteil meiner selbst zuzulassen.<\/p>\n<p>Nehmen wir noch einmal den Narren. Was ist denn zum Beispiel von den vereisten Gipfeln im Hintergrund zu halten? Alles nur Deko? Oder bin ich m\u00f6glicherweise auch das: kalt, entr\u00fcckt, unnahbar? Spiele ich vielleicht nur den unbeschwerten oberfl\u00e4chlichen Toren, damit niemand merkt, wie weit abseits ich von &#8222;den Menschen im Tal&#8220; bereits stehe? Es gilt <strong>abzuw\u00e4gen, ehrlich zu sich selbst sein, manchmal auch nur darum: probeweise eine Hypothese anzunehmen<\/strong>,\u00a0dass das ebenfalls mein Innerstes darstellt. Und dann <strong>abwarten, was das mit mir anstellt<\/strong>.<\/p>\n<p>Mit der Frage &#8222;Was auf dieser Karte bin ich selbst?&#8220; sto\u00dfen wir in Bereiche der Interpretation vor, die ganz fremd erscheinen und oft recht weit weg von den &#8222;\u00fcberlieferten&#8220; Bedeutungen sind. Manchmal vielleicht auf das krasse Gegenteil dessen hindeuten, was das &#8222;kleine wei\u00dfe B\u00fcchlein&#8220; schreibt, das sich bei meinem Stapel Tarotkarten befand. Willkommen auf der Reise in die Tiefe der Psyche!<\/p>\n<p>An dieser Stelle werde ich \u00fcbrigens wieder etwas milder, was die vielen &#8222;Klone&#8220; des Waite-Smith Tarots oder die unz\u00e4hligen Fantasy-, Hexen-, Mystik- usw. Tarots betrifft. Aus kreativer Sicht m\u00f6gen so manche von ihnen recht mageres &#8222;Futter&#8220; abgeben, weil die Hersteller es sich so offensichtlich einfach gemacht haben. Aber. Und das ist tats\u00e4chlich ein gro\u00dfes aber: Wenn es den Karten gelingt, dass man sich nicht nur in sie hinein versetzen kann, sondern umgekehrt herum die Bilder der Karten in sich selbst hinein lassen kann, dann ist schon eine Menge gewonnen. Es ist die Kunst von mit Symbolen aufgeladenen Bildern, dass sie in der Lage sind, unsere Abwehr-Bollwerke zu \u00fcberwinden und wir sie nicht nur hineinlassen, sondern <strong>auch den Gedanken zulassen, dass ihre belebten und unbelebten Wesen vielleicht schon immer in uns enthalten waren<\/strong>&#8230;<\/p>\n<p><em>Alle Texte sind urheberrechtlich gesch\u00fctzt. Verbreitung (auch auszugsweise) nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.<\/em><\/p>\n<pre><em>Alle Abbildungen: Mit freundlicher Genehmigung des K\u00f6nigsfurt-Urania Verlages, Krummwisch, <\/em><em>\u00a9 K\u00f6nigsfurt-Urania Verlag, Krummwisch \/ Deutschland. <a href=\"http:\/\/www.koenigsfurt-urania.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.koenigsfurt-urania.com<\/a><\/em><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser und der folgende Beitrag behandeln die Grundlagen dessen, was ich unter &#8222;psychologischem Umgang&#8220; mit dem Tarot verstehe. Die beiden Grundlagen-Themen sind einmal die Art und Weise, aus welcher psychologischen Perspektive wir die Karten und die dort gezeigten Szenen betrachten. 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