{"id":22,"date":"2016-10-01T21:44:15","date_gmt":"2016-10-01T19:44:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tarotpsychologie.de\/?p=22"},"modified":"2019-01-07T22:40:49","modified_gmt":"2019-01-07T21:40:49","slug":"was-ich-ueber-tarot-gelernt-habe-was-ich-nicht-gelernt-habe-und-was-ich-vielleicht-noch-lernen-werde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/?p=22","title":{"rendered":"1. Was ich \u00fcber Tarot gelernt habe, was ich nicht gelernt habe und was ich vielleicht noch lernen werde."},"content":{"rendered":"\n<p>Die bunten Karten begleiten mich jetzt schon seit ein paar Jahrzehnten, nachdem ich als Jugendlicher &#8211; auf der Suche nach &#8222;okkulten Wahrheiten&#8220; &#8211; darauf gesto\u00dfen war. Damals (Anfang der 80er Jahre) hatte ich meine erste Begegnung mit esoterischer Literatur, war abwechselnd begeistert, skeptisch und verwirrt. Rudolf Steiner konnte also Auren sehen, hmm, und Aleister Crowley hatte, so hie\u00df es wenigstens,  mindestens eines seiner B\u00fccher mit Hilfe der Einfl\u00fcsterungen von einem D\u00e4mon geschrieben. Wie das wohl war &#8211; &#8222;Herr Crowley bitte zum Diktat&#8220;? <\/p>\n\n\n\n<p>Am interessantesten aber waren die Tarotkarten. Sie gab es aber nicht nur vom Herrn Crowley, sondern auch noch von einem gewissen Rider Waite. Au\u00dferdem konnte man ja auch noch pendeln, Horoskope ausrechnen und Herr von D\u00e4niken berichtete \u00fcber au\u00dferirdische Mayas. So in etwa stellte sich mir das damals dar. Mit 14 Jahren ist die Welt verwirrend, aber wenigstens noch \u00fcbersichtlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein paar Jahre sp\u00e4ter habe ich dann Psychologie studiert und meine esoterischen Interessen wurden erst einmal zur\u00fcckgestellt f\u00fcr die rationale Sicht der Naturwissenschaft und ihre Erkl\u00e4rungsmodelle daf\u00fcr, was uns Menschen im Innersten bewegt. Geblieben ist mir aber stets die Faszination der Tarotkarten, ihr noch nicht einmal auf den zweiten oder dritten Blick vollst\u00e4ndig durchschaubarer Reichtum an Symbolen und Bedeutungsebenen, aber auch mein Staunen \u00fcber die &#8222;Treffsicherheit&#8220; dessen, was mir die Karten bei jeder Legung er\u00f6ffneten. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie war das m\u00f6glich? Also doch so etwas wie Magie? <\/p>\n\n\n\n<p>Viele Kenner des Tarot w\u00fcrden sagen: Ja klar, da ist definitiv noch &#8222;mehr&#8220; dahinter. Die wahrscheinlich meisten B\u00fccher zum Thema Tarot besch\u00e4ftigen sich mit dem &#8222;wahrsagerischen&#8220; Aspekt der Karten. Trotzdem ist die Divination nicht die einzige Seite des Tarots, die betrachtenswert ist. Arthur Edward Waite (der mit-Sch\u00f6pfer des heute bekanntesten Tarots) hielt zum Beispiel von dieser Sicht herzlich wenig. Ihm waren die (damals streng geheim gehaltenen) Aspekte eines spirituellen Reifungsprozesses, der sich in den Karten widerspiegelt viel wichtiger. Sp\u00e4tere Interpreten sahen in den 22 gro\u00dfen Arkanen die Darstellung einer Heldenreise, wie wir sie in vielen Mythen der Welt finden und wie sie in allgemeiner Form Joseph Campbell in seinem richtungsweisenden Buch &#8222;Der Heros in tausend Gestalten&#8220; beschrieben hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Wieder andere Tarot-Autoren sahen in den Karten eine \u00dcberlieferung alt\u00e4gyptischer Weisheit oder verbanden die 22 gro\u00dfen und 56 kleinen Arkanen mit anderen hermetischen Wissensgebieten wie der Astrologie, der Alchemie oder mit den tiefgr\u00fcndigen Aspekten der Kabbala. Auch Verkn\u00fcpfungen mit dem Neuheidentum, mit Schamanismus, Runen, I Ging, dem hebr\u00e4ischen Alphabet, Numerologie, indianischer Religion usw. gab es. Wenig davon ist bei n\u00e4herer Betrachtung wirklich \u00fcberzeugend und in sich stimmig, obwohl jedes dieser esoterischen Systeme f\u00fcr sich genommen sehr wertvoll und hilfreich sein kann. <\/p>\n\n\n\n<p>Und Psychologie? Hier finden wir vieles in der Nachfolge von C. G. Jung: Die Arkanen als Archetypen, das Verfahren des Kartenlegens als ein Prozess der Synchronizit\u00e4t &#8211; Jung hat sich intensiv mit verschiedenen Aspekten des &#8222;Okkultismus&#8220; besch\u00e4ftigt. <\/p>\n\n\n\n<p>Speziell die von Jung direkt beschriebenen <strong>Archetypen <\/strong>finden wir direkt 1:1 in unseren Karten: der <strong>Schatten <\/strong>(der Teufel), der <strong>Alte <\/strong>(der Eremit), das <strong>Kind <\/strong>(die Sonne), die <strong>Mutter <\/strong>(die Herrscherin), das <strong>M\u00e4dchen <\/strong>(die Hohepriesterin), <strong>Anima <\/strong>(Kraft) und <strong>Animus <\/strong>(der Magier). <em>[z.B. Zum psychologischen Aspekt der Korefigur, Edition C.G. Jung, Patmos, Band 9\/I, Patmos]<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Ganz sch\u00f6n viel, oder? Dazu noch unterschiedlichste Lesarten der Karten, von den Myriaden verschiedener Decks ganz zu schweigen. Und das waren jetzt nur ein paar Stichworte zu Themen, die ich pers\u00f6nlich kennenlernen durfte. Und ich kenne ganz bestimmt nicht alles, was man \u00fcber Tarot wissen kann. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage stellt sich also: <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bringt man das alles noch unter den sprichw\u00f6rtlichen Hut oder endet man in einer vollst\u00e4ndigen Beliebigkeit?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Ist denn &#8211; ganz ketzerisch gefragt &#8211; vielleicht eine solche Beliebigkeit am Ende sogar das Erfolgsrezept des Tarot, weil sich niemand wirklich festlegen muss? Nach dem Motto: <em>&#8222;Widerspr\u00fcche zwischen verschiedenen Lesarten? Egal! Soll jeder mal machen, wie&#8217;s grad passt.&#8220;<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Blog soll dazu dienen, die Dinge etwas zu ordnen und dazu meine ganz pers\u00f6nliche Sicht des Tarot darzulegen. Es soll nachvollziehbar sein, dass der Tarot als extrem reichhaltiges Symbolsystem offene Punkte in uns sozusagen &#8222;zum Schwingen&#8220; bringen kann. Und zwar h\u00f6chst pr\u00e4zise. Ich m\u00f6chte auch zeigen, was man daf\u00fcr konkret tun kann und was man dabei wissen sollte. <\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schluss noch ein etwas paradox klingender, aber f\u00fcr den Umgang mit den Karten sehr wichtiger Punkt: <strong>Damit uns die Karten genau die richtigen Botschaften sagen k\u00f6nnen, die komplett &#8222;ins Schwarze&#8220; treffen, muss ein gewisses Vertrauen darauf vorhanden sein, dass sie genau dazu in der Lage sind.<\/strong> Das ist so in etwa wie die Sache mit den Placebos: In einem Placebo steckt kein &#8222;Wirkstoff&#8220; im eigentlichen Sinne, aber trotzdem haben sich Placebos in vielen Studien (je nach Krankheitsbild freilich unterschiedlich ausgepr\u00e4gt) als sehr wirksam gezeigt, auch gegen\u00fcber &#8222;echten&#8220; Medikamenten, z.B. Schmerzmitteln. Wir m\u00fcssen nur davon \u00fcberzeugt sein, den Rest macht ein bis heute nicht ganz verstandenes Zusammenspiel von K\u00f6rper und Geist. <\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Alle Abbildungen: Mit freundlicher Genehmigung des K\u00f6nigsfurt-Urania Verlages, Krummwisch, \u00a9 K\u00f6nigsfurt-Urania Verlag, Krummwisch \/ Deutschland. <a href=\"http:\/\/www.koenigsfurt-urania.com\/\">http:\/\/www.koenigsfurt-urania.com\/<\/a><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die bunten Karten begleiten mich jetzt schon seit ein paar Jahrzehnten, nachdem ich als Jugendlicher &#8211; auf der Suche nach &#8222;okkulten Wahrheiten&#8220; &#8211; darauf gesto\u00dfen war. Damals (Anfang der 80er Jahre) hatte ich meine erste Begegnung mit esoterischer Literatur, war abwechselnd begeistert, skeptisch und verwirrt. 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