{"id":122,"date":"2017-08-19T21:28:45","date_gmt":"2017-08-19T19:28:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tarotpsychologie.de\/?p=122"},"modified":"2018-01-28T21:01:05","modified_gmt":"2018-01-28T20:01:05","slug":"9-die-grosse-beliebigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/?p=122","title":{"rendered":"9. Die gro\u00dfe Beliebigkeit."},"content":{"rendered":"<p>Dem Tarot wird manchmal vorgeworfen, dass sich die verschiedenen Autoren und Schulen so weit und in vielfacher Weise widersprechen, dass im Endeffekt die Auslegung der Bedeutung der Karten vollkommen beliebig w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Da ist schon was dran.<\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr ganz kontr\u00e4re Auslegungen haben wir bereits bei unserer (vorl\u00e4ufigen)\u00a0<a href=\"http:\/\/www.tarotpsychologie.de\/?p=94\">Betrachtung des Teufels<\/a>\u00a0kennen gelernt. Und nat\u00fcrlich bringen unterschiedliche Tarot-Decks auch ganz unterschiedliche Blickwinkel mit sich, sind in\u00a0unterschiedliche Kontexte eingebettet, stammen von Personen mit\u00a0ganz unterschiedlichem Hintergrund usw.<\/p>\n<p>Es gibt &#8211; gl\u00fccklicherweise! &#8211; keine &#8222;Oberste Tarot-Beh\u00f6rde&#8220;, die erst einmal jedes Tarot-Deck, aber auch jede Literatur zum Tarot vorweg absegnen und freigeben m\u00fcsste. Wenn vielleicht auch einzelne Tarot-Autoren und -Autorinnen ihre Sicht der Tarot-Welt etwas dogmatisch vertreten, so trifft das ganz bestimmt nicht f\u00fcr die Gesamtheit aller &#8222;Tarot-Verr\u00fcckten&#8220; zu: <strong>Jede\/r kann letztlich mit dem Tarot machen, was ihr\/ihm beliebt.<\/strong> Manches wird dann h\u00f6chst originell sein und ganz neue Wege betreten, anderes eher gequ\u00e4lt (um nicht &#8222;gequirlt&#8220; zu sagen) wirken. Sei es drum!<\/p>\n<p>Tendenziell sind hier \u00fcbrigens derzeit die englischsprachigen L\u00e4nder f\u00fchrend, die deutschsprachige Tarot-Szene ist leider seit einigen Jahren vergleichsweise wenig aktiv, auch was die Zahl und\u00a0vision\u00e4re Qualit\u00e4t von Publikationen, Foren, sozialen Medien usw. betrifft. Die letzten f\u00fcr mich wirklich bemerkenswerten Ver\u00f6ffentlichungen waren der Sentenzia Tarot (Eva-Christiane Wetterer und Anja-Dorothee Schacht) sowie das Buch &#8222;Narrenspr\u00fcnge&#8220; von Margarete Petersen zu ihrem Tarot &#8211; beides bereits aus dem Jahr 2010. Vielleicht auch nur ein Dornr\u00f6schenschlaf&#8230;<\/p>\n<p>Also doch alles ganz beliebig? Oder gibt es zumindest bei den verschiedenen Tarot-Decks so etwas wie einen &#8222;(kleinsten) gemeinsamen Nenner&#8220;, der alle (brauchbaren) Tarot-Decks und die gesamte &#8222;Tarot-Gemeinde&#8220; mit ihren unz\u00e4hligen Publikationen umspannt?<\/p>\n<p>Auch hier m\u00f6chte ich wieder einen eher psychologischen Ansatz verfolgen: Jedes Deck hat eine seine ganz eigene Entstehungsgeschichte, seinen ganz eigenen K\u00fcnstler\/K\u00fcnstlerin mit seinem\/ihrem spezifischen Blick auf die Welt. Das spiegelt sich unmittelbar darin, dass diese verschiedenen Decks auch unterschiedliche Inhalte in uns aktivieren, andere Assoziationen, Emotionen, Erinnerungen usw. evozieren. F\u00fcr mich als Benutzer und &#8222;Befrager&#8220; der Karten ist es ein ganz enormer Unterschied, ob der &#8222;Magier&#8220; der Holzschnitt eines Jahrmarkt-Tricksters ist wie beim Tarot de Marseille oder ob ich Das Walt-Disney-Zitat &#8222;Wenn Du es tr\u00e4umen kannst, kannst Du es auch machen&#8220; lese, wie beim Sentenzia-Tarot (bei dem zudem auch noch die Art des Textsatzes zur Bedeutung beitr\u00e4gt).<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich kann man mit viel gutem Willen auch hier noch eine <strong>gemeinsame Basis ausmachen, aber die Unterschiede sind dann doch oft ganz erheblich<\/strong>. Es w\u00e4re ja auch schade, wenn sie es nicht w\u00e4ren &#8211; welchen Sinn w\u00fcrden ansonsten mehrere unterschiedliche Tarot-Decks machen? Und nein, das ist gar nicht trivial: Man kann die schlechten, die epigonenhaften, die &#8222;me-too&#8220;-Decks genau daran erkennen: Tragen sie tats\u00e4chlich etwas Neues bei? \u00dcberraschen sie mich noch? Gibt es komplett unerwartete Aspekte? Oder wird eine altbekannte Szenerie (meist aus dem Waite-Smith-Tarot) lediglich in neuer &#8222;Kost\u00fcmierung&#8220; dargebracht?<\/p>\n<p>Letztlich bedeutet das aber: Jedes Tarot-Deck (wenn es etwas taugt) muss komplett neu &#8222;erobert&#8220; werden. Ich muss tats\u00e4chlich wieder bei NULL neu anfangen! Ein\u00a0 gutes Beispiel ist der Tarot von Margarete Petersen: Was f\u00fcr eine m\u00e4chtige Bildsprache! Aber so weit entfernt von allem bislang Bekanntem, wie man es sich nur vorstellen kann.<\/p>\n<p>Dennoch sind auch diese sehr weit voneinander entfernten Decks nicht vollst\u00e4ndig &#8222;beziehungslos&#8220; gegen\u00fcber bestehenden &#8211; und insbesondere den &#8222;klassischen&#8220; &#8211; Tarot-Decks. Man kann es sich vielleicht so vorstellen, wie ganz unterschiedliche Menschen ein und dieselbe Person wahrnehmen. Ein Ehepartner wird andere Aspekte sehen als ein Kollege, ein Lieferant andere als ein Kunde. Oder der Postbote, der Hausarzt, der Steuerberater, der Trambahnfahrer. Alle sehen dieselbe Person aus ihrer individuellen Perspektive, aber man wird als Au\u00dfenstehender vielleicht niemals auf die Idee kommen, dass die alle \u00fcber den gleichen Menschen sprechen. Und diese unterschiedlichen Perspektiven halten wir mit den verschiedenen Tarot-Decks in der Hand.<\/p>\n<p><strong>Es geht bei verschiedenen Decks also &#8222;irgendwie&#8220; schon um das Gleiche, aber manchmal ist das einfach nicht mehr klar erkennbar.<\/strong> Und tats\u00e4chlich muss es das auch gar nicht sein: Wenn die gew\u00e4hlte Perspektive sowohl in sich logisch stimmig, als auch mit meinen Bed\u00fcrfnissen kongruent ist, dann brauche ich zun\u00e4chst einmal keine anderen Perspektiven. Die gew\u00e4hlte passt ja soweit.<\/p>\n<p>Aber widerspricht das denn nicht der Idee, dass die gro\u00dfen Arkanen (und sehr wahrscheinlich auch die kleinen!) Archetypen gem\u00e4\u00df C. G. Jung darstellen? Darf es unter diesem Gesichtspunkt \u00fcberhaupt substanzielle Unterschiede zwischen verschiedenen Tarot-Decks geben?<\/p>\n<p>Ein Archetypus ist allerdings etwas, das man &#8222;in freier Natur&#8220; nicht wirklich zu Gesicht bekommt. Die Archetypen entsprechen viel mehr der platonischen Ideenwelt, von der wir immer nur die schattenhaften Projektionen zu sehen bekommen, die die jeweiligen Kulturen und Zeitalter daraus bilden. <strong>Was wir in den Karten in der Hand haben, sind stets nur Symbole f\u00fcr die Archetypen, und die d\u00fcrfen sich freilich voneinander unterscheiden.<\/strong><\/p>\n<p>Der Tarot ist &#8211; so genutzt &#8211; vielleicht sogar ein sehr tauglicher Lehrmeister, um einfache &#8222;schwarz\/wei\u00dfe&#8220; Erkl\u00e4rungen zu hinterfragen und nach weiteren, zun\u00e4chst verborgenen Bedeutungen und Wahrheiten zu suchen.<\/p>\n<p><em>Alle Texte sind urheberrechtlich gesch\u00fctzt. Verbreitung (auch auszugsweise) nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.<\/em><\/p>\n<pre><em>Alle Abbildungen: Mit freundlicher Genehmigung des K\u00f6nigsfurt-Urania Verlages, Krummwisch, <\/em><em>\u00a9 K\u00f6nigsfurt-Urania Verlag, Krummwisch \/ Deutschland. <a href=\"http:\/\/www.koenigsfurt-urania.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.koenigsfurt-urania.com<\/a><\/em><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dem Tarot wird manchmal vorgeworfen, dass sich die verschiedenen Autoren und Schulen so weit und in vielfacher Weise widersprechen, dass im Endeffekt die Auslegung der Bedeutung der Karten vollkommen beliebig w\u00fcrde. Da ist schon was dran. Ein Beispiel f\u00fcr ganz kontr\u00e4re Auslegungen haben wir bereits bei unserer (vorl\u00e4ufigen)\u00a0Betrachtung des Teufels\u00a0kennen gelernt. 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