{"id":118,"date":"2017-03-20T21:47:05","date_gmt":"2017-03-20T20:47:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tarotpsychologie.de\/?p=118"},"modified":"2019-06-29T16:53:56","modified_gmt":"2019-06-29T14:53:56","slug":"8-schwierigkeiten-mit-den-herrschaften-vom-hofe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/?p=118","title":{"rendered":"8. Schwierigkeiten mit den Herrschaften vom Hofe."},"content":{"rendered":"<p>Bislang konnten wir uns ganz passabel auf &#8222;intuitive&#8220; Weise mit den Tarotkarten auseinandersetzen. Dank Pamela Colman Smith haben wir ein Kartendeck, das sehr &#8222;szenisch&#8220; aufgebaut ist und dadurch auch sehr offen f\u00fcr unsere Interpretationen ist. Das gilt sogar f\u00fcr die kleinen Arkanen, die in \u00e4lteren Tarots (Wirth, diverse Varianten des Tarot de Marseille, usw.) noch ohne szenische Darstellungen auskommen mussten &#8211; da gab es nur die Farbsymbole in einer sch\u00f6nen symmetrischen Anordnung entsprechend ihrer Anzahl.<\/p>\n<p><strong>Ein paar Karten verursachen bei dieser von mir vorgestellten &#8222;naiven&#8220;\u00a0psychologischen Zugangsweise dann aber doch Schwierigkeiten.<\/strong> Auch\u00a0im Waite-Smith-Tarot. Die Rede ist von den 16 sogenannten &#8222;Hofkarten&#8220;, also \u00fcblicherweise Page (Bube), Ritter, K\u00f6nigin und K\u00f6nig in ihren vier &#8222;Farben&#8220; St\u00e4be,\u00a0Kelche, Schwerter und M\u00fcnzen. Irgendwie sind sich da viele Karten geradezu extrem \u00e4hnlich:<\/p>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-118 gallery-columns-3 gallery-size-medium'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/?attachment_id=452'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"173\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/C12-Knight-of-Cups-1-173x300.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/C12-Knight-of-Cups-1-173x300.jpg 173w, https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/C12-Knight-of-Cups-1-768x1332.jpg 768w, https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/C12-Knight-of-Cups-1-591x1024.jpg 591w, https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/C12-Knight-of-Cups-1.jpg 1181w\" sizes=\"auto, (max-width: 173px) 100vw, 173px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/?attachment_id=453'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"173\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/P12-Knight-of-Pentacles-1-173x300.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/P12-Knight-of-Pentacles-1-173x300.jpg 173w, https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/P12-Knight-of-Pentacles-1-768x1328.jpg 768w, https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/P12-Knight-of-Pentacles-1-592x1024.jpg 592w, https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/P12-Knight-of-Pentacles-1.jpg 1184w\" sizes=\"auto, (max-width: 173px) 100vw, 173px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<pre><em>Mit freundlicher Genehmigung des K\u00f6nigsfurt-Urania Verlages, Krummwisch, <\/em><em>\u00a9 K\u00f6nigsfurt-Urania Verlag, Krummwisch \/ Deutschland. www.koenigsfurt-urania.com<\/em><\/pre>\n<p>Die Ritter sitzen alle auf ihren Pferden, K\u00f6nig und K\u00f6nigin thronen (und unterscheiden sich noch nicht einmal gegenseitig besonders deutlich), die Pagen stehen alle herum\u00a0und so weiter. Machen die irgend etwas? Was geht in den Figuren eigentlich vor? Worum mag es bei diesen Karten gehen?<\/p>\n<p><strong>Warum ist das so, haben wir uns mit der psychologischen Herangehensweise vielleicht verrannt?<\/strong><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich scheinen viele Tarot-B\u00fccher beim Thema &#8222;Hofkarten&#8220; \u00e4hnlich herumzueiern wie wir jetzt. Manchmal sollen die Hofkarten auf Personen hinweisen, manchmal auf &#8222;Stimmungen&#8220; oder Chancen, in anderen Deutungen ist dagegen von vier Stufen der Vervollkommnung der jeweiligen Farb-Charakteristik die Rede: Die &#8222;ungeformte&#8220; Kraft beim Buben, &#8222;gerichtet&#8220; beim Ritter, &#8222;erfahren&#8220; bei der K\u00f6nigin und schlie\u00dflich &#8222;etabliert&#8220; beim K\u00f6nig (etwa bei Katz &amp; Goodwin: &#8222;Secrets of the Waite-Smith Tarot&#8220;, Llewellyn,\u00a02015). Aus den Bildern selbst l\u00e4sst sich all das noch nicht einmal mehr mit sehr viel gutem Willen herauslesen.<\/p>\n<p><strong>Bei der Analyse der Hofkarten haben wir zwei Themen:<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Die Zuordnung zu den vier &#8222;Farben&#8220; St\u00e4be, Kelche, Schwerter und M\u00fcnzen. Das ist noch vergleichsweise einfach und wird an sp\u00e4terer Stelle noch einmal weiter vertieft. Mit den Farben kann man\u00a0sich den Hofkarten aber zumindest schon einmal n\u00e4hern: Gehen wir davon aus, dass es 4 &#8222;K\u00f6nigreiche&#8220; mit je einem K\u00f6nig, K\u00f6nigin, Ritter und Pagen gibt. Diese K\u00f6nigreiche entsprechen bestimmten Lebenswirklichkeiten bzw. Energien.<\/li>\n<li>Die Unterschiede zwischen den &#8222;R\u00e4ngen&#8220; K\u00f6nig, K\u00f6nigin, Ritter\u00a0und Page. Das ist der weitaus kniffligere Teil.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Beginnen wir\u00a0also mit den 4 &#8222;Farben&#8220;.<\/strong><\/p>\n<p>Den vier Farben werden (in der Tarot-Literatur \u00fcbrigens erstaunlich einhellig!) bestimmte Energien, bzw. dahinter stehende alchemistische Elemente zugewiesen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die St\u00e4be stehen f\u00fcr Aktionen, Tatkraft, Ver\u00e4nderung, Energie aber auch Intuition &#8211; entsprechend dem alchemistischen Element Feuer. Als &#8222;Eselsbr\u00fccke&#8220; mag man sich hier vorstellen, dass die St\u00e4be als brennbares Material als einzige das Element Feuer zu tragen verm\u00f6gen.<\/li>\n<li>Die Kelche stehen f\u00fcr Emotionen, &#8222;Mitschwimmen&#8220;\u00a0und Gef\u00fchle, f\u00fcr Phantasie, ungerichtete Energien\u00a0\u00a0&#8211; und entsprechen dem alchemistischen Element Wasser. Auch hier ist der Weg der Assoziation kurz: Die Kelche k\u00f6nnen als einzige das Element Wasser beherbergen und tragen.<\/li>\n<li>Die M\u00fcnzen stehen f\u00fcr &#8211; na klar &#8211; Geld, aber viel mehr noch generell f\u00fcr\u00a0Ressourcen (gerne auch psychologisch zu verstehen!), Materielles, Werke, Erdverbundenes\u00a0&#8211; sie entsprechen in alchemistischem Sinne dem Element Erde. So wie das Erz f\u00fcr die M\u00fcnzen aus der Erde stammt oder in weiterem Sinne die Erde selbst eine ebenso runde Gestalt aufweist wie die M\u00fcnzen.<\/li>\n<li>Die Schwerter stehen f\u00fcr Gedanken und Rationalit\u00e4t,\u00a0der Begriff &#8222;scharfer Verstand&#8220; kommt nicht von ungef\u00e4hr\u00a0&#8211; und entsprechen dem alchemistischen Element Luft. Ein Schwert kann durch die Luft schneiden, saust im Kampf durch die Luft wie auch umgekehrt ein kalter scharfer Wind etwas &#8222;Schneidendes&#8220; an sich hat.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das sind also schon mal recht deutliche Unterschiede zwischen den Farben, die auch leicht und einigerma\u00dfen intuitiv hergeleitet werden k\u00f6nnen. Das ist f\u00fcr unseren psychologischen Ansatz g\u00fcnstig. Die Farben sind sozusagen die &#8222;Herrschaftsbereiche&#8220; der jeweiligen Hofkarten. Das K\u00f6nigspaar wird \u00fcber die ihm zugeordnete Farbe &#8222;herrschen&#8220;. Aber die Schwierigkeiten der Hofkarten liegen eher darin, K\u00f6nig, K\u00f6nigin, Ritter und Pagen zu unterscheiden.<\/p>\n<p><strong>Was f\u00e4llt als Erstes auf?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben M\u00e4nner-\u00dcberschuss! Ein K\u00f6nig, ein Ritter und ein Page gegen\u00fcber nur einer K\u00f6nigin &#8211; ist das eine faire Verteilung? Tats\u00e4chlich haben viele modernere Tarot-Decks versucht eine Art Gleichberechtigung herzustellen und haben z.B. Ritter und Page in Prinz und Prinzessin umbenannt. Im Ergebnis haben wir eine sehr popul\u00e4re Deutung der 4 Karten als <strong>jeweils 1 m\u00e4nnliche und 1 weibliche reife Personen (K\u00f6nig und K\u00f6nigin) und als jeweils 1 m\u00e4nnliche und 1 weibliche noch unreife Person (Prinz und Prinzessin)<\/strong>.<\/p>\n<p>Das ist eine sehr <strong>sch\u00f6ne und symmetrische L\u00f6sung des Hofkarten-Problems und wir alle haben ja bei Symmetrien gerne den Eindruck, dass sie &#8222;richtiger&#8220; sein m\u00fcssen<\/strong>, als asymmetrische L\u00f6sungen. Die sch\u00f6ne L\u00f6sung der zwei &#8222;P\u00e4rchen&#8220; hat aber ein kleines Problem: Sie ist ziemlich ignorant. Auf das Waite-Smith-Deck angewandt hei\u00dft das n\u00e4mlich einfach zu ignorieren, was auf den Karten steht. Da gibt es n\u00e4mlich genau 1 P\u00e4rchen: K\u00f6nig und K\u00f6nigin. &#8222;Ritter&#8220; und &#8222;Page&#8220; sind weit davon entfernt, sich zu einem P\u00e4rchen zu erg\u00e4nzen!<\/p>\n<p>Freilich lassen sich durchaus Geschlechterstereotypen z.B. auf die &#8222;m\u00e4nnlich-aktiven&#8220; Ritter oder die &#8222;weiblich-passiven&#8220; Pagen projizieren. Aber richtiger wird die Interpretation\u00a0damit leider auch nicht. Und tats\u00e4chlich ist das &#8222;echte&#8220; m\u00e4nnlich-weiblich-Paar K\u00f6nig und K\u00f6nigin einander bis hin zur sitzenden K\u00f6rperhaltung extrem \u00e4hnlich, wir k\u00f6nnen niemanden etwa als eindeutig &#8222;aktiven&#8220; oder &#8222;passiven&#8220; Teil des Paares dingfest machen. Die Unterschiede liegen jeweils nur in kleinen Details. <strong>Die Klischees der m\u00e4nnlich\/weiblich-Zuordnungen jedenfalls greifen zumindest auf der Ebene der bildlichen Darstellung nicht.<\/strong><\/p>\n<div id='gallery-2' class='gallery galleryid-118 gallery-columns-4 gallery-size-medium'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/?attachment_id=454'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"174\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/P13-Queen-of-Pentacles-1-174x300.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/P13-Queen-of-Pentacles-1-174x300.jpg 174w, https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/P13-Queen-of-Pentacles-1-768x1323.jpg 768w, https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/P13-Queen-of-Pentacles-1-595x1024.jpg 595w, https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/P13-Queen-of-Pentacles-1.jpg 1189w\" sizes=\"auto, (max-width: 174px) 100vw, 174px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/?attachment_id=455'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"174\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/P14-King-of-Pentacles-1-174x300.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/P14-King-of-Pentacles-1-174x300.jpg 174w, https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/P14-King-of-Pentacles-1-768x1322.jpg 768w, https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/P14-King-of-Pentacles-1-595x1024.jpg 595w, https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/P14-King-of-Pentacles-1.jpg 1190w\" sizes=\"auto, (max-width: 174px) 100vw, 174px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/?attachment_id=456'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"173\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/S13-Queen-of-Swords-1-173x300.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/S13-Queen-of-Swords-1-173x300.jpg 173w, https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/S13-Queen-of-Swords-1-768x1328.jpg 768w, https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/S13-Queen-of-Swords-1-592x1024.jpg 592w, https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/S13-Queen-of-Swords-1.jpg 1184w\" sizes=\"auto, (max-width: 173px) 100vw, 173px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/?attachment_id=457'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"173\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/S14-King-of-Swords-1-173x300.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/S14-King-of-Swords-1-173x300.jpg 173w, https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/S14-King-of-Swords-1-768x1328.jpg 768w, https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/S14-King-of-Swords-1-592x1024.jpg 592w, https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/S14-King-of-Swords-1.jpg 1184w\" sizes=\"auto, (max-width: 173px) 100vw, 173px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<pre><em>Mit freundlicher Genehmigung des K\u00f6nigsfurt-Urania Verlages, Krummwisch, <\/em><em>\u00a9 K\u00f6nigsfurt-Urania Verlag, Krummwisch \/ Deutschland. www.koenigsfurt-urania.com<\/em><\/pre>\n<p>Auch sollten wir getrost die &#8222;R\u00e4nge&#8220; <strong>K\u00f6nig und K\u00f6nigin als einander gleichwertig<\/strong> betrachten &#8211; man denke nur an die Queen in England, K\u00f6nigin Silvia usw. die als Regentinnen und Thronerbinnen die Macht (wenn auch heute nur noch die repr\u00e4sentative Macht) inne haben, genau so wie K\u00f6nige als m\u00e4nnliche Thronerben in anderen Dynastien. Im Gegensatz dazu sind <strong>Ritter und Pagen keineswegs auf gleicher &#8222;Augenh\u00f6he&#8220;<\/strong>.<\/p>\n<p>Also haben wir mit dem K\u00f6nig und der K\u00f6nigin zwei einander sehr \u00e4hnliche Karten und mit Ritter und Pagen zwei weitere Karten, die ganz unterschiedlich zueinander und zu dem P\u00e4rchen sind. Zus\u00e4tzlich scheint der Page von allen die &#8222;jugendlichste&#8220; Variante zu sein, sowohl was das dargestellte Alter der Figuren betrifft, als auch bez\u00fcglich der mittelalterlich-h\u00f6fischen Rolle &#8222;Page&#8220;, auf die Bezug genommen wird.<\/p>\n<p><strong>Transaktionsanalyse und eine innere &#8222;Familie&#8220;.<\/strong><\/p>\n<p>Der amerikanische Psychologie Eric Berne hat im Rahmen seiner Transaktionsanalyse die Vorstellung vertreten, dass wir im Laufe unserer Entwicklung unsere Eltern und ihre Anspr\u00fcche und Forderungen an uns, aber auch ihre F\u00fcrsorge und ihren Schutz als quasi &#8222;innere Personen&#8220; aufbauen, die zuweilen in unseren Interaktionen mit anderen Menschen das Ruder \u00fcbernehmen und uns handeln\/sprechen lassen wie unsere Eltern (bzw. das, was wir von ihnen verinnerlicht haben). Berne nannte das diese innere Person das &#8222;Eltern-Ich&#8220;.<\/p>\n<p>Aber nicht nur die Eltern, sondern auch wir selbst als Kind hinterlassen Spuren in uns als erwachsene Menschen. Das &#8222;innere Kind&#8220; kann unser Handeln steuern, man denke nur an den genialen Komiker Luis de Fun\u00e8s, der letztlich in vielen seiner Rollen ein tobendes, j\u00e4hzorniges &#8211; aber eigentlich ein &#8222;kleines Kind&#8220; dargestellt hat. Berne hat diesen Ich-Zustand das &#8222;Kind-Ich&#8220; genannt (das \u00fcbrigens auch ganz &#8222;brav&#8220; und angepasst, ja \u00fcberangepasst sein kann).<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich gibt es noch ein &#8222;Erwachsenen-Ich&#8220;, das rational agiert, im Diskurs mit anderen auch deren Standpunkte sieht und integriert, aktiv Entscheidungen f\u00e4llt und die eigentliche und nicht beeintr\u00e4chtigte erwachsene Person &#8222;in uns&#8220; ist.<\/p>\n<p>Eigentlich gar kein schlechtes Modell f\u00fcr unsere so problematischen Hofkarten. <strong>Wir k\u00f6nnen die vier Hofkarten als unsere inneren Repr\u00e4sentanten der Eltern, unseres erwachsenen rationalen Ichs und unseres inneren Kindes sehen.<\/strong> Und je nach Farbe des Kartenblattes haben auch diese Repr\u00e4sentanten eine &#8222;F\u00e4rbung&#8220;, ein dominantes Grundthema, in dem sie eine Eltern-, Erwachsenen- oder Kind-Ich-Rolle einnehmen.<\/p>\n<p>Bernes Theorie &#8211; wie fast alle tiefenpsychologischen Theorien legt gro\u00dfes Gewicht auf die Umwelteinfl\u00fcsse speziell der Kindheit, die unsere sp\u00e4tere &#8222;Binnenstruktur&#8220; ganz entscheidend formt. Man mag jedoch auch hier noch erg\u00e4nzen, dass es wohl einen nicht zu untersch\u00e4tzenden Anteil an unserer Pers\u00f6nlichkeitsstruktur gibt, die nicht unbedingt erlernt, sondern uns angeboren ist. Auch hier sollten wir von Einfl\u00fcssen auf unsere inneren Eltern- Erwachsenen und Kind-Ichs ausgehen, etwa im Sinne von Talenten, &#8222;Leitsternen&#8220;, Neigungen usw. die nicht erst in der Kindheit gepr\u00e4gt wurden, sondern schon vorher da waren.<\/p>\n<p><strong>Warum zwei &#8222;Eltern-Ichs&#8220;?<\/strong><\/p>\n<p>In vielen F\u00e4llen sind unsere M\u00fctter und unsere V\u00e4ter ganz unterschiedlich zu uns. Berne unterscheidet etwa zwischen zwei Aspekten des Eltern-Ichs: einem kritischen Eltern-Ich und einem f\u00fcrsorglichen Eltern-Ich. Und oft ist das durchaus auf z.B. eine kritische, strenge, fordernde Mutter (oder Vater) und einen f\u00fcrsorglichen, unterst\u00fctzenden Vater (oder Mutter) aufgeteilt. Wie &#8211; das ist bei jedem Elternpaar ganz unterschiedlich. Und so macht es schon Sinn, wenn wir als &#8222;Eltern&#8220; zwei verschiedene Karten zur Verf\u00fcgung haben.<\/p>\n<p>Ob nun der K\u00f6nig oder die K\u00f6nigin der kritische oder der f\u00fcrsorgliche Part sind, das sieht man ihnen freilich von au\u00dfen nicht an und das ist ja auch in jeder Familie ein Wenig anders gelagert.<\/p>\n<p>Manchmal sind es \u00fcbrigens gerade die erzieherischen (und anderen) Konflikte zwischen den beiden unterschiedlich denkenden und agierenden Elternteilen, die den &#8222;Z\u00fcndstoff&#8220; unserer Kindheit ausmachen.<\/p>\n<p><strong>Warum nur ein &#8222;Kind-Ich&#8220;?<\/strong><\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie bei den Eltern-Ichs unterscheidet Berne zwischen einem &#8222;angepassten&#8220; Kind\u00a0und einem &#8222;freien&#8220; Kind. Im Tarot muss uns daf\u00fcr eine Karte &#8211; die des Pagen &#8211; gen\u00fcgen. Allerdings ist hier im Unterschied zu den Eltern tats\u00e4chlich auch immer nur eine einzige Person &#8222;Kind&#8220; gewesen, wenn auch bisweilen angepasst,\u00a0dann trotzig &#8222;gegen-angepasst&#8220;, frei oder rebellisch.<\/p>\n<p>Wenn wir uns auf diese psychologische Deutung der Hofkarten einlassen, dann haben wir ein sehr <strong>differenziertes Modell unserer eigenen Bewusstseinszust\u00e4nde (Eltern-, Erwachsenen- und Kind-Ich)\u00a0innerhalb von\u00a0vier grundlegenden Themenkreisen, die durch die vier Farben gebildet werden<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Und die Geschlechter der Ritter und Pagen?<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcblicherweise geht man davon aus, dass die Pagen und Ritter als &#8222;m\u00e4nnlich&#8220; gezeichnet wurden. Allerdings haben sie zum gr\u00f6\u00dften Teil sehr feine Gesichtsz\u00fcge, so dass wir sie ohne Weiteres auch als weibliche Figur ansehen k\u00f6nnen, wenn\u00a0eine Frau die Fragestellerin ist. Ihr inneres Kind-Ich und Erwachsenen-Ich\u00a0ist selbstverst\u00e4ndlich weiblich. Versuchen Sie es sich einfach mal konkret anhand der Karten vorzustellen &#8211; wirklich gro\u00dfe Hindernisse hat uns Pamela Colman-Smith daf\u00fcr nicht in den Weggelegt.<\/p>\n<p><em>Alle Texte sind urheberrechtlich gesch\u00fctzt. Verbreitung (auch auszugsweise) nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.<\/em><\/p>\n<pre><em>Alle Abbildungen: Mit freundlicher Genehmigung des K\u00f6nigsfurt-Urania Verlages, Krummwisch, <\/em><em>\u00a9 K\u00f6nigsfurt-Urania Verlag, Krummwisch \/ Deutschland. <a href=\"http:\/\/www.koenigsfurt-urania.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.koenigsfurt-urania.com<\/a><\/em><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bislang konnten wir uns ganz passabel auf &#8222;intuitive&#8220; Weise mit den Tarotkarten auseinandersetzen. Dank Pamela Colman Smith haben wir ein Kartendeck, das sehr &#8222;szenisch&#8220; aufgebaut ist und dadurch auch sehr offen f\u00fcr unsere Interpretationen ist. Das gilt sogar f\u00fcr die kleinen Arkanen, die in \u00e4lteren Tarots (Wirth, diverse Varianten des Tarot de Marseille, usw.) noch &hellip; <a href=\"https:\/\/www.tarotpsychologie.de\/?p=118\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">8. 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